Lisanne schnaubt. „Wird immer peinlicher. Kim-Jana hat überhaupt kein Talent, aber weil sie inzwischen mit Eelco zusammen ist, darf sie weiter gegen den Takt spielen. Sogar Denise hat mehr drauf als sie, aber die ist leider furchtbar schüchtern und traut sich nie, was zu sagen, wenn ihr was nicht passt. Wenn du mir heute sagen würdest, dass du eine Band aufmachst, würde ich morgen bei dir auf der Matte stehen. Aber womit willst du eine Band aufmachen, du hast ja kein Schlagzeug und ich denke mal nicht, dass du Gitarre spielen willst.“
Meine musikalische Karriere begann im Alter von acht Jahren mit Gitarrenunterricht, aber seit ein paar Jahren trommele ich nur noch. Lisanne kennt mich lang genug um das zu wissen. Ich verkünde ihr meine persönliche frohe Botschaft: „Rat mal, was ich seit letzter Woche in der Wohnung stehen habe? Mein erstes eigenes Schlagzeug. Du solltest dir gut überlegen, was du zum Thema Bandgründung sagst, denn das kann nicht mehr lange dauern. Ich habe nämlich auch schon einen Proberaum gefunden.“
„Das klingt wirklich ziemlich konkret“, gibt sie zu. „Wenn es dich beruhigt, ich habe nicht vor, in deiner Band Keyboard zu spielen. Man will sich ja auch mal weiterentwickeln.“
„Das beruhigt mich in der Tat. Du könntest stattdessen singen. Irgendwer muss das ja machen, und ich finde, du hast eine schöne Stimme.“
Lisanne grinst geschmeichelt, fragt aber: „Was macht Miloš? Habt ihr noch Kontakt?“
„Wieder, würde ich sagen. Nach meinem Abgang aus der Jesus-Pop-Band hab ich ihn wochenlang nicht zu Gesicht gekriegt, keine Ahnung, was er getrieben hat. Zum Glück hat er neulich Cokko in der Stadt getroffen. Er dachte, wir könnten Brüder sein und hat ihn angequatscht. Heute oder morgen will ich ihn mit der Tatsache vertraut machen, dass er seinen dicken Hintern wieder zu hausgemachter Musik bewegen kann.“
„Miloš und dicker Hintern? Ts“, macht sie und mustert mich in meiner ganzen Pracht. (67) „Also, wenn er mitmacht, fehlt dir nur noch einer, der Gitarre spielt. Fertig ist die Band.“
„Ja, ich habe schon Zettel geschrieben, auf denen so was im Sinne von „Band sucht Gitarre“ steht. Die geb ich dem Steven von Stevens Broodjes, der will sie in allen seinen Läden aufhängen, dann weiß es bald die ganze Region.“
„Wieso willst du die Zettel in Brotläden aufhängen lassen? Und warum hängst du sie nicht selber auf? Meinst du nicht, dass dieser Steven besseres zu tun hat? Und überhaupt, wie kommst du eigentlich auf ihn?“, lässt sie Fragen am laufenden Band ab.
„Aha, das hab ich dir noch nicht erzählt. Mein Proberaum ist oberhalb seiner Backstube. Er ist ein netter Kerl, glaub ich. Aber was die Sache mit der Gitarre betrifft“, fällt mir ein, „könnte ich auch mal meinen Bruder fragen, der hat bestimmt irgendwo von irgendwem gehört, der eine Band sucht und zufällig ein Super-Gitarrist ist. Der Knilch hat ein phänomenales Namensgedächtnis.“
17. Juli 2015
142
neunundvierzigstes Kapitel
Ich versuche gleich am nächsten Werktag, den Bäcker anzurufen, um eine Verabredung zu vereinbaren, erwische ihn jedoch erst am Wochenende persönlich.
Der Mann heißt Steven und ist ungefähr 40 oder 45 Jahre alt. Er zeigt mir die Backstube und erklärt mir dies und das zu den Arbeitsvorgängen. Dann möchte er wissen, welche Art Musik ich mache. Ich erkläre ihm, was Miloš und ich bevorzugen und in welche Richtung es vermutlich gehen wird. Steven lacht, dass er es dann sicher mitbekommen wird, wenn wir im Haus sind.
Der potenzielle Proberaum ist ein großes leeres Zimmer oberhalb der Backstube. Es gefällt mir gut und ich denke, es ist geeignet, um einer Band eine Heimat zu geben.
Ich frage Steven, was er sich denn so an Miete vorgestellt hat. Weil der Raum echt groß ist, rechne ich damit, dass ich mir das nicht leisten kann. Es war ein schöner Traum vom Proberaum. Aber er nennt mir seinen Preis und liefert eine Finanzierungsmöglichkeit gleich mit: „Du musst es nicht gleich als erstes bezahlen, ich strecke dir zwei Monatsmieten vor. Wenn du deine Band komplett hast, legst du die Miete auf alle um, das dürfte kein Problem sein.“ Nun guckt Steven zur Uhr und sagt: „Sorry, es ist schon furchtbar spät. Ich muss los. Hab noch Termine. Ich geb’ dir meine Bankverbindung später. Tschüss!“
Und weg ist er. Ich stehe noch eine Weile in meinem werdenden Proberaum herum und stelle mir vor, wo das Schlagzeug am praktischsten stehen könnte. Irgendwann mache ich ein Fenster auf, weil mir ziemlich warm ist. Als das Fenster auf ist, fällt mir auf, dass draußen gerade Winter ist. Ich scheine einen heißen Proberaum ergattert zu haben. Es wird eine schweißtreibende Angelegenheit werden, hier Musik zu machen. Na ja, denke ich dann, in der Scheune von Maartens Eltern ist es im Winter klirrend kalt gewesen. Jeder Übungsraum hat Vor- und Nachteile. Hier müssen wir jedenfalls nicht heizen. Schwitzen soll ja auch gesund sein.
Am Donnerstagnachmittag ist strahlend schönes Vorfrühlingswetter, das ich am liebsten auf der Kaap Hoorn und in den Grachten der Umgebung genießen würde. Diese milden Tage sind Mitte März eine Rarität; schon morgen kann es wieder grau und fies sein!
Aber erstens steckt die Kaap Hoorn noch zum Schutz vor dem Winter unter ihrer Persenning (also bis auf den Mast, der guckt raus) und zweitens hat mir der Arzt dringend geraten, mit dem Segeln noch eine kleine Weile zu warten.
Natürlich hat er Recht, denn auch bei milder Witterung kann es auf dem Wasser zu Situationen kommen, in denen ich den Arm mehr belasten muss, als ihm gut tut. Deswegen bin ich ein braver Patient und tue, was Onkel Doktor gesagt hat.
Und da ich mich nicht meinem wiedererwachenden Fernweh hingeben darf, lenke ich mich mit meinem wie üblich leicht verlotterten Haushalt ab. Nachdem ich die Küche aufgeräumt und die Schränke ausgewischt habe, genehmige ich mir ein bisschen Bewegung und gehe einkaufen.
Im großen Einkaufszentrum am Bahnhof sehe ich meine ehemalige Bandkollegin Lisanne, die völlig vertieft die Anwendungshinweise eines Fleckenentferners liest. Aus Spaß fahre ich sie mit meinem Wagen an.
Abgelenkt murmelt sie: „Entschuldigung“, schaut aber gar nicht von ihrer Lektüre auf. Daher sehe ich mich genötigt, sie noch einmal anzufahren. Sie entschuldigt sich wieder, guckt aber immer noch nicht hin, wer so unverschämt viel Platz braucht. Stattdessen weicht sie aus.
„Wieso entschuldigst du dich eigentlich für Dinge, für die du gar nichts kannst?“, frage ich.
„Hoi Jeremy“, sagt sie jetzt und stellt die Flasche zurück ins Regal. „Lange nicht gesehen, wie geht’s dir? Oh, du bist den Gips los!“
„Ja, seit zwei Wochen ist er ab. So langsam kommt wieder Leben in die Bude.“ Ich demonstriere ihr meine neue Beweglichkeit, die noch keine ist, eher eine Steifheit. Dabei erkundige ich mich: „Und, was macht die Jesus-Pop-Band?“
Ich versuche gleich am nächsten Werktag, den Bäcker anzurufen, um eine Verabredung zu vereinbaren, erwische ihn jedoch erst am Wochenende persönlich.
Der Mann heißt Steven und ist ungefähr 40 oder 45 Jahre alt. Er zeigt mir die Backstube und erklärt mir dies und das zu den Arbeitsvorgängen. Dann möchte er wissen, welche Art Musik ich mache. Ich erkläre ihm, was Miloš und ich bevorzugen und in welche Richtung es vermutlich gehen wird. Steven lacht, dass er es dann sicher mitbekommen wird, wenn wir im Haus sind.
Der potenzielle Proberaum ist ein großes leeres Zimmer oberhalb der Backstube. Es gefällt mir gut und ich denke, es ist geeignet, um einer Band eine Heimat zu geben.
Ich frage Steven, was er sich denn so an Miete vorgestellt hat. Weil der Raum echt groß ist, rechne ich damit, dass ich mir das nicht leisten kann. Es war ein schöner Traum vom Proberaum. Aber er nennt mir seinen Preis und liefert eine Finanzierungsmöglichkeit gleich mit: „Du musst es nicht gleich als erstes bezahlen, ich strecke dir zwei Monatsmieten vor. Wenn du deine Band komplett hast, legst du die Miete auf alle um, das dürfte kein Problem sein.“ Nun guckt Steven zur Uhr und sagt: „Sorry, es ist schon furchtbar spät. Ich muss los. Hab noch Termine. Ich geb’ dir meine Bankverbindung später. Tschüss!“
Und weg ist er. Ich stehe noch eine Weile in meinem werdenden Proberaum herum und stelle mir vor, wo das Schlagzeug am praktischsten stehen könnte. Irgendwann mache ich ein Fenster auf, weil mir ziemlich warm ist. Als das Fenster auf ist, fällt mir auf, dass draußen gerade Winter ist. Ich scheine einen heißen Proberaum ergattert zu haben. Es wird eine schweißtreibende Angelegenheit werden, hier Musik zu machen. Na ja, denke ich dann, in der Scheune von Maartens Eltern ist es im Winter klirrend kalt gewesen. Jeder Übungsraum hat Vor- und Nachteile. Hier müssen wir jedenfalls nicht heizen. Schwitzen soll ja auch gesund sein.
Am Donnerstagnachmittag ist strahlend schönes Vorfrühlingswetter, das ich am liebsten auf der Kaap Hoorn und in den Grachten der Umgebung genießen würde. Diese milden Tage sind Mitte März eine Rarität; schon morgen kann es wieder grau und fies sein!
Aber erstens steckt die Kaap Hoorn noch zum Schutz vor dem Winter unter ihrer Persenning (also bis auf den Mast, der guckt raus) und zweitens hat mir der Arzt dringend geraten, mit dem Segeln noch eine kleine Weile zu warten.
Natürlich hat er Recht, denn auch bei milder Witterung kann es auf dem Wasser zu Situationen kommen, in denen ich den Arm mehr belasten muss, als ihm gut tut. Deswegen bin ich ein braver Patient und tue, was Onkel Doktor gesagt hat.
Und da ich mich nicht meinem wiedererwachenden Fernweh hingeben darf, lenke ich mich mit meinem wie üblich leicht verlotterten Haushalt ab. Nachdem ich die Küche aufgeräumt und die Schränke ausgewischt habe, genehmige ich mir ein bisschen Bewegung und gehe einkaufen.
Im großen Einkaufszentrum am Bahnhof sehe ich meine ehemalige Bandkollegin Lisanne, die völlig vertieft die Anwendungshinweise eines Fleckenentferners liest. Aus Spaß fahre ich sie mit meinem Wagen an.
Abgelenkt murmelt sie: „Entschuldigung“, schaut aber gar nicht von ihrer Lektüre auf. Daher sehe ich mich genötigt, sie noch einmal anzufahren. Sie entschuldigt sich wieder, guckt aber immer noch nicht hin, wer so unverschämt viel Platz braucht. Stattdessen weicht sie aus.
„Wieso entschuldigst du dich eigentlich für Dinge, für die du gar nichts kannst?“, frage ich.
„Hoi Jeremy“, sagt sie jetzt und stellt die Flasche zurück ins Regal. „Lange nicht gesehen, wie geht’s dir? Oh, du bist den Gips los!“
„Ja, seit zwei Wochen ist er ab. So langsam kommt wieder Leben in die Bude.“ Ich demonstriere ihr meine neue Beweglichkeit, die noch keine ist, eher eine Steifheit. Dabei erkundige ich mich: „Und, was macht die Jesus-Pop-Band?“
141
Cokko steht erst eine Weile sprachlos vor meinem neuen Schatz (ich weiß nicht, ob er nichts sagt, weil ihm vor Freude nichts einfällt, oder weil ihm schlicht die Schreckensausrufe im Halse stecken bleiben), dann erkundigt er sich: „Wo wirst du üben? Hier?“
„Nee, das würde zu viele Ohrenstöpsel kosten. Die ganze Nachbarschaft würde welche haben wollen. Mommi kennt einen Bäcker, der oberhalb seiner Backstube Platz für mich hat. Ich hab ihn aber noch nicht getroffen, ich weiß nicht, ob wir handelseinig werden“, erkläre ich. Dann fällt mir ein: „Warum fragst du?“
„Na ja, ich hatte mich schon mal mental darauf eingestellt, dass man mit Steinen oder anderen Gegenständen nach mir werfen wird. Einem Typ in meiner Schule ist es so gegangen. Seine Brüder haben Schlagzeug und Dudelsack gespielt.“
„Dann lag das bestimmt an dem Dudelsack.“
„Nee, das lag eher an den Brüdern. Echte Nervensägen. Als sie dann noch ihre Musik angefangen haben, haben sie den Bogen überspannt.“
„Na ja, dann kann es dir ja eh nicht so ergehen. Ich bin schließlich keine Nervensäge.“
Sachte wiegt er seinen Kopf hin und her, als sei er damit nicht ganz sicher.
Ich beende den Versuch, über etwas anderes als meinen neuen Schatz zu reden, lasse mich auf dem Höckerchen nieder und beweise mit einem fetzigen Trommelwirbel, dass ich noch ganz anders kann.
Sehr kurz darauf klingelt es an der Tür und mein Bruder geht hin, denn ich kann gerade nicht. Ich sitze verzückt inmitten meines rosafarbenen Schatzes und beglückwünsche mich dazu, zur richtigen Zeit im richtigen Laden gewesen zu sein.
An der Stimme höre ich, dass Betty aus der Etage drunter im Flur steht. Cokko bittet sie in die Werkstatt zu kommen. Sie jedoch möchte nicht herein kommen, sondern nur in aller Ruhe vor dem Fernseher sitzen und dabei auch noch hören können, was der Nachrichtensprecher sagt. Als Cokko ihr erklärt, dass ich das Schlagzeug heute neu bekommen habe, zeigt sie sich etwas versöhnt mit dem, was sie Krach nennt, bittet aber, demnächst zu trommeln, wenn keiner sonst im Haus ist.
„Du hättest das mit den Ohrenstöpseln vielleicht gleich nachmittags anfangen sollen“, überlegt er, als er wieder ins Zimmer kommt und mir Bettys Bitte mitgeteilt hat. „Darf ich vielleicht auch mal ein bisschen trommeln?“
„Nein. Erstens hat Betty sich gerade schon über mein Können beschwert, da wird sie dein Nicht-Können nicht toller finden und zweitens hätte ich gern, wenn du überhaupt die Finger davon lässt“, sage ich und liefere die Erklärung dafür gleich mit: „Es sieht vielleicht aus wie ein Haufen Trommeln, die jede auf ihrem eigenen Ständer steht, aber es ist mühsam, alles richtig einzurichten, wenn einer was verändert hat. Außerdem ist das nicht irgendein Anfängerschlagzeug, sondern eine Geldanlage. Ich möchte möglichst lang drauf spielen können.“
„Du tust, als würde ich alles nur kaputt machen“, bemerkt Cokko ärgerlich und klingt jetzt genau wie ein kleiner Bruder, dem gerade was verboten worden ist.
„Mit deinem Laptop ist es übrigens auch so gewesen“, erinnere ich. „Bevor du mir ein eigenes Benutzerkonto angelegt hattest, habe ich die Finger davon gelassen.“
Murrend wendet er sich ab, ich glaube, etwas wie „Mit dem Unterschied, dass der Laptop dich nicht die Bohne interessiert hat“ herauszuhören. Da hat er natürlich Recht. Demnächst, wenn das Schlagzeug im Proberaum steht, werd ich ihm ein paar Freistunden Trommelunterricht gewähren. Dann kann er alles ausprobieren, was er will.
„Nee, das würde zu viele Ohrenstöpsel kosten. Die ganze Nachbarschaft würde welche haben wollen. Mommi kennt einen Bäcker, der oberhalb seiner Backstube Platz für mich hat. Ich hab ihn aber noch nicht getroffen, ich weiß nicht, ob wir handelseinig werden“, erkläre ich. Dann fällt mir ein: „Warum fragst du?“
„Na ja, ich hatte mich schon mal mental darauf eingestellt, dass man mit Steinen oder anderen Gegenständen nach mir werfen wird. Einem Typ in meiner Schule ist es so gegangen. Seine Brüder haben Schlagzeug und Dudelsack gespielt.“
„Dann lag das bestimmt an dem Dudelsack.“
„Nee, das lag eher an den Brüdern. Echte Nervensägen. Als sie dann noch ihre Musik angefangen haben, haben sie den Bogen überspannt.“
„Na ja, dann kann es dir ja eh nicht so ergehen. Ich bin schließlich keine Nervensäge.“
Sachte wiegt er seinen Kopf hin und her, als sei er damit nicht ganz sicher.
Ich beende den Versuch, über etwas anderes als meinen neuen Schatz zu reden, lasse mich auf dem Höckerchen nieder und beweise mit einem fetzigen Trommelwirbel, dass ich noch ganz anders kann.
Sehr kurz darauf klingelt es an der Tür und mein Bruder geht hin, denn ich kann gerade nicht. Ich sitze verzückt inmitten meines rosafarbenen Schatzes und beglückwünsche mich dazu, zur richtigen Zeit im richtigen Laden gewesen zu sein.
An der Stimme höre ich, dass Betty aus der Etage drunter im Flur steht. Cokko bittet sie in die Werkstatt zu kommen. Sie jedoch möchte nicht herein kommen, sondern nur in aller Ruhe vor dem Fernseher sitzen und dabei auch noch hören können, was der Nachrichtensprecher sagt. Als Cokko ihr erklärt, dass ich das Schlagzeug heute neu bekommen habe, zeigt sie sich etwas versöhnt mit dem, was sie Krach nennt, bittet aber, demnächst zu trommeln, wenn keiner sonst im Haus ist.
„Du hättest das mit den Ohrenstöpseln vielleicht gleich nachmittags anfangen sollen“, überlegt er, als er wieder ins Zimmer kommt und mir Bettys Bitte mitgeteilt hat. „Darf ich vielleicht auch mal ein bisschen trommeln?“
„Nein. Erstens hat Betty sich gerade schon über mein Können beschwert, da wird sie dein Nicht-Können nicht toller finden und zweitens hätte ich gern, wenn du überhaupt die Finger davon lässt“, sage ich und liefere die Erklärung dafür gleich mit: „Es sieht vielleicht aus wie ein Haufen Trommeln, die jede auf ihrem eigenen Ständer steht, aber es ist mühsam, alles richtig einzurichten, wenn einer was verändert hat. Außerdem ist das nicht irgendein Anfängerschlagzeug, sondern eine Geldanlage. Ich möchte möglichst lang drauf spielen können.“
„Du tust, als würde ich alles nur kaputt machen“, bemerkt Cokko ärgerlich und klingt jetzt genau wie ein kleiner Bruder, dem gerade was verboten worden ist.
„Mit deinem Laptop ist es übrigens auch so gewesen“, erinnere ich. „Bevor du mir ein eigenes Benutzerkonto angelegt hattest, habe ich die Finger davon gelassen.“
Murrend wendet er sich ab, ich glaube, etwas wie „Mit dem Unterschied, dass der Laptop dich nicht die Bohne interessiert hat“ herauszuhören. Da hat er natürlich Recht. Demnächst, wenn das Schlagzeug im Proberaum steht, werd ich ihm ein paar Freistunden Trommelunterricht gewähren. Dann kann er alles ausprobieren, was er will.
140
„Alter, ich bin nicht schwerhörig!“, beschwert Pieter sich, „Zumindest noch nicht.“
„Was gibt’s denn?“, frage ich ungeduldig. Ruft er an, um nachzuprüfen, ob ich brav zuhause geblieben bin?
„Was würdest du davon halten, wenn ich dir ein Schlagzeug mitbringe, das jetzt ungefähr ein Viertel weniger kostet als das, was du haben willst, neu aber das doppelte wert war?“
„Oh“, mache ich. „Davon würde ich sehr viel halten. Ist ein Haken dran?“
„Na ja“, macht Pieter.
„Ist was kaputt? Sind Mäuseleichen drin? Muss ich den Vorbesitzer mitkaufen?“
„Nun ja, nicht ganz. Es ist pink und überall steht „Spice-Girls“ drauf. Das Teil hat angeblich mal einen tierischen Haufen Kohle gekostet, ich wette, die Tussi kann sich auch so einen guten Fitnesstrainer leisten wie mich. Voraussetzung ist natürlich, sie wird das Ding los.“
Etwas piepst in meinem Telefon. Ich überhöre das Geräusch. „Und warum hab ich das Teil nicht im Laden gesehen?“
Pieter stellt die einzig mögliche, sinnvolle Gegenfrage: „Würdest du dir ein Schlagzeug von den Spice-Girls in den Laden stellen?“
Ich lache. „Nee. Bestimmt nicht. Und der Händler sagt, dass es den Haufen Kohle wirklich wert ist? Ich will kein Kinderschlagzeug haben, das nur viel gekostet hat.“ Es piepst wieder. Scheinbar fliegt ein Satellit übers Haus und stört die Telefonverbindung.
„Natürlich sagt der Händler, dass es das wert ist, das täte ich aber auch, wenn ich Händler wäre. Der Mann hat mir vorgeschlagen, ich soll wie abgesprochen dein Geld hier lassen und die Trommeln mitnehmen. Wenn du es schließlich doch nicht haben willst, bringen wir es eben zurück. Solange will er das Schlagzeug für dich zurück halten, das du ausgesucht hattest. Was sagst du dazu?“
Was soll ich dazu sagen? Ich schicke ein „Ähm“ durch die Leitung, das passt immer.
„Denk ein bisschen schneller, mein Akku ist gleich leer“, drängt Pieter.
Ach so, deswegen piepst es, darauf hätte ich kommen können. Ich entschließe mich zu der Antwort, die vermutlich von mir erwartet wird: „Bring das Zeug mit. Es gibt sowieso ein paar Leute, die mich für etwas seltsam halten. Das wird die Gerüchteküche beleben.“
Eine Stunde später titsche ich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch meine Werkstatt. Pieter hat mich längst verlassen, weil ich zu keiner artikulieren Äußerung mehr in der Lage bin.
Von den Schriftzügen der Lieblingsband der Vorbesitzerin abgesehen (und natürlich der Farbe) ist dieses Schlagzeug eine echte Wucht!!
Zuyderkerks Musikszene kann sagen was sie will, ich werde dieses Schlagzeug behalten. Eine großartige Zukunft steht mir bevor und meiner Karriere als international anerkanntem Schlagzeuger praktisch nichts mehr im Wege!
Es dauert noch ein paar Stunden, bis Cokko nach Hause kommt, aber ich kann es gar nicht abwarten, jemandem von meinem neuen Schätzchen zu erzählen. Ich mache mich auf den Weg zu Mommi.
Meine liebe Mommi freut sich mit mir. Sie hält ein Sahnestück für mich bereit (nein, es geht nicht um kalorienreichen Kuchen, aber den gibts natürlich auch), denn sie hat vielleicht einen Proberaum für mich.
Als ich neulich erzählt habe, dass ich mir ein neues Schlagzeug zulegen will, hat sie gleich ihre Bekannten zu Rate gezogen. Mommi ist eine Zuydersche, wie die Ureinwohner Zuyderkerks sich nennen. Die alten Zuyderschen helfen einander, sie halten zusammen und wenn es in Zuyderkerk etwas zu erfahren gibt, wissen sie es meist als Erste.
Und das habe ich davon: Ein guter Freund von ihr und Popp ist Bäcker und sein Sohn, der den Betrieb weiterführt, ist kürzlich mit seiner Backstube in ein Gebäude im Industriegebiet Voorland umgezogen. Darin sollen noch weitere Räume frei sein. Mommi gibt mir die Telefonnummer von dem Mann und sagt mir, dass ich ihren Namen nennen soll.
Beziehungen sind wirklich das A und O, wenn man etwas will oder braucht und nicht besonders viel Geld hat.
„Was gibt’s denn?“, frage ich ungeduldig. Ruft er an, um nachzuprüfen, ob ich brav zuhause geblieben bin?
„Was würdest du davon halten, wenn ich dir ein Schlagzeug mitbringe, das jetzt ungefähr ein Viertel weniger kostet als das, was du haben willst, neu aber das doppelte wert war?“
„Oh“, mache ich. „Davon würde ich sehr viel halten. Ist ein Haken dran?“
„Na ja“, macht Pieter.
„Ist was kaputt? Sind Mäuseleichen drin? Muss ich den Vorbesitzer mitkaufen?“
„Nun ja, nicht ganz. Es ist pink und überall steht „Spice-Girls“ drauf. Das Teil hat angeblich mal einen tierischen Haufen Kohle gekostet, ich wette, die Tussi kann sich auch so einen guten Fitnesstrainer leisten wie mich. Voraussetzung ist natürlich, sie wird das Ding los.“
Etwas piepst in meinem Telefon. Ich überhöre das Geräusch. „Und warum hab ich das Teil nicht im Laden gesehen?“
Pieter stellt die einzig mögliche, sinnvolle Gegenfrage: „Würdest du dir ein Schlagzeug von den Spice-Girls in den Laden stellen?“
Ich lache. „Nee. Bestimmt nicht. Und der Händler sagt, dass es den Haufen Kohle wirklich wert ist? Ich will kein Kinderschlagzeug haben, das nur viel gekostet hat.“ Es piepst wieder. Scheinbar fliegt ein Satellit übers Haus und stört die Telefonverbindung.
„Natürlich sagt der Händler, dass es das wert ist, das täte ich aber auch, wenn ich Händler wäre. Der Mann hat mir vorgeschlagen, ich soll wie abgesprochen dein Geld hier lassen und die Trommeln mitnehmen. Wenn du es schließlich doch nicht haben willst, bringen wir es eben zurück. Solange will er das Schlagzeug für dich zurück halten, das du ausgesucht hattest. Was sagst du dazu?“
Was soll ich dazu sagen? Ich schicke ein „Ähm“ durch die Leitung, das passt immer.
„Denk ein bisschen schneller, mein Akku ist gleich leer“, drängt Pieter.
Ach so, deswegen piepst es, darauf hätte ich kommen können. Ich entschließe mich zu der Antwort, die vermutlich von mir erwartet wird: „Bring das Zeug mit. Es gibt sowieso ein paar Leute, die mich für etwas seltsam halten. Das wird die Gerüchteküche beleben.“
Eine Stunde später titsche ich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch meine Werkstatt. Pieter hat mich längst verlassen, weil ich zu keiner artikulieren Äußerung mehr in der Lage bin.
Von den Schriftzügen der Lieblingsband der Vorbesitzerin abgesehen (und natürlich der Farbe) ist dieses Schlagzeug eine echte Wucht!!
Zuyderkerks Musikszene kann sagen was sie will, ich werde dieses Schlagzeug behalten. Eine großartige Zukunft steht mir bevor und meiner Karriere als international anerkanntem Schlagzeuger praktisch nichts mehr im Wege!
Es dauert noch ein paar Stunden, bis Cokko nach Hause kommt, aber ich kann es gar nicht abwarten, jemandem von meinem neuen Schätzchen zu erzählen. Ich mache mich auf den Weg zu Mommi.
Meine liebe Mommi freut sich mit mir. Sie hält ein Sahnestück für mich bereit (nein, es geht nicht um kalorienreichen Kuchen, aber den gibts natürlich auch), denn sie hat vielleicht einen Proberaum für mich.
Als ich neulich erzählt habe, dass ich mir ein neues Schlagzeug zulegen will, hat sie gleich ihre Bekannten zu Rate gezogen. Mommi ist eine Zuydersche, wie die Ureinwohner Zuyderkerks sich nennen. Die alten Zuyderschen helfen einander, sie halten zusammen und wenn es in Zuyderkerk etwas zu erfahren gibt, wissen sie es meist als Erste.
Und das habe ich davon: Ein guter Freund von ihr und Popp ist Bäcker und sein Sohn, der den Betrieb weiterführt, ist kürzlich mit seiner Backstube in ein Gebäude im Industriegebiet Voorland umgezogen. Darin sollen noch weitere Räume frei sein. Mommi gibt mir die Telefonnummer von dem Mann und sagt mir, dass ich ihren Namen nennen soll.
Beziehungen sind wirklich das A und O, wenn man etwas will oder braucht und nicht besonders viel Geld hat.
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