„Was wollte der Bulle eigentlich?“
„Jemand hat deinen Führerschein bei ihm abgegeben.“
„Du könntest ihn alleine abholen.“
„Ist es mein Führerschein?“
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Alkmaar.
Der Weg zum Ziel (und zum Zug) zieht sich in die Länge, weil sein Fahrrad seit gestern Mittag am Bahnhof steht und er nicht auf meinem mitfahren möchte. In unserer Straße sind wir zwar so gestartet, aber schon die kleinsten Erschütterungen hat er im Knie gespürt.
Zu Fuß brauchen wir aus demselben Grund sehr lange. Er kann das Knie nicht beugen und kaum belasten. Seiner Diagnose nach ist es nur eine schmerzhafte Prellung, die ohne ärztliche Hilfe auszukurieren ist. Ich werde ihm da nicht reinreden, denn das würde vermutlich in einem Streit enden.
In der Wachstube der – wie hat er es genannt? Dienststelle Mitte? – befinden sich zwei Beamte; eine Frau in unserem Alter und ein älterer Herr.
„Hoi. Was kann ich für euch tun?“, fragt die Frau.
„Wir sind mit Herrn Iedema verabredet“, sage ich.
„Arend, für dich”, sagt sie zu ihrem Kollegen.
Der rückt an seiner Brille, „Die Herren Kusturica und van Hoorn“, tippt er. Er ist um die Fünfzig und wirkt gütig.(203)
„Kusturica“, korrigiert Miloš die Aussprache.
Er nickt, „Kommen Sie mit mir“ und geht uns voraus in ein Bürozimmer im gleichen Flur. Dort nimmt er hinterm Schreibtisch Platz und wir davor. Er öffnet eine Schublade, entnimmt ihr Miloš’ Führerschein und reicht ihn herüber. Dann fragt er: „Fehlt Ihnen vielleicht auch noch ein Schlüsselbund?“
„Ja.“
„Wie sieht er aus?“
„Ein Ring mit einem Autoschlüssel für einen Ford, drei Türschlüsseln – zwei eckig, einer rund, einem fürs Fahrradschloss und einem Karabinerhaken. Und am zweiten Ring eine kleine rote E-Gitarre aus Metall.“
Lächelnd legt der Mann den Bund auf den Tisch. „Und auch noch ein Portmonee?“
Wer ihn nicht kennt, sieht keine Regung, aber ich spüre, dass er aufatmet. Hurra, die Rechnung geht auf!
„Ja. Schwarzes Glattleder, ziemlich alt, und im Sichtfensterchen hoffentlich ein Foto mit einem Sonnenaufgang in den Dünen.“
Er gibt auch dieses Teil ab, dazu den Pass und den Bibliotheksausweis.
„Fehlt noch was?“
„Ja, achtzig Euro und ein paar Münzen, die Monatskarte und mein Mobiltelefon, aber das liegt wohl nicht draußen herum.“
Der Polizist nickt. „Nachdem ich Sie wegen des Führerscheins angerufen hatte, dauerte es keine zehn Minuten, bis eine alte Frau Ihren Pass brachte, dann kamen zwei kleine Jungs, die den Schlüsselbund gefunden hatten und danach eine andere Frau, die das Portmonee abgegeben hat. Zum Schluss ein junger Mann, der Ihre Büchereikarte brachte. Alles ist an unterschiedlichen Orten im Zentrum gefunden worden. So was ist mir in meiner ganzen Dienstzeit noch nicht passiert.“
21. Dezember 2015
386
Nach Erledigung meiner Morgenrituale bereite ich Frühstück. „Was willst du essen?“, erkundige ich mich an der Terrassentür.
„Nichts.“
„Doch. Du willst was essen. Dein Bauch weiß das nur noch nicht. Denk mal drüber nach.“
Ungefähr zwei Minuten später bringt er seine leere Tasse rein. „Du könntest diese Pampe anrühren, die du mir gemacht hast, als ich das letzte Mal besoffen war. Die könnte helfen.“
„Hafergrütze. Mach ich. Und zu trinken?“
„Alles außer Salbeitee.“
„Na klar.“
„Was ich dich ja fragen wollte: hast du die Blümchen auf dem Tisch gebastelt?“
„Nein, Merle war gestern Abend hier. Die kann nicht ohne Deko, kennst sie doch.“
Mitten beim Essen klingelt das Telefon. „Ja?“, melde ich mich.
Ein Mann stellt sich vor: „Iedema, Polizei Alkmaar, Dienststelle Mitte. Spreche ich mit Herrn Milos Kusturica?“
„Nein, mit Jeremy van Hoorn. Aber mein Freund heißt so. Worum geht’s?“ (202)
„Kann ich ihn bitte sprechen?“
„Moment“, sage ich in den Hörer und reiche das Dings herüber.
„Wer ist dran?“, fragt Miloš leise.
„Polizei.“
Hastig deckt er den Hörer zu und flüstert: „Ich bin nicht da. Ich kann nicht reden, verstehe die Sprache nicht oder erfinde irgendwas.“
Na hoppla! Verwundert führe ich das Gespräch fort. „Sagen Sie mir bitte, worum es geht. Ich richte es aus.“
„Ein Taxifahrer hat seinen Führerschein gefunden und abgegeben.“
„Wunderbar. Wir kommen vorbei. Wo finden wir Sie?“
Der Beamte nennt die Adresse und ich schreibe mit.
Ich habe kaum aufgelegt, da: „Bist du bescheuert, dem zu versprechen, dass wir vorbei kommen?!“
„Warum regst du dich so auf?“
„Weil ich mit den Bullen nichts zu tun haben will!“
Okay, ganz von vorne. „Warum willst du mit den Bullen nichts zu tun haben?“
„Und sag denen nie wieder, wo ich wohne!“
„Aber der wusste doch schon, wo du wohnst, sonst hätte er ja nicht hier angerufen!“
Er schnaubt serbisch.
Was ist denn bei dem los? „Miloš. Warum?“
„Weil die Bullen das letzte Pack sind! Weil ich mit denen bis jetzt nur Ärger gehabt habe! Dreimal habe ich in der Zelle gehockt, ohne was getan zu haben!! Einmal haben sie mich fast zwei Tage festgehalten und ich durfte nicht mal meine Mutter anrufen!“
Oh, davon weiß ich ja gar nichts. Bei Gelegenheit muss ich mal nachfragen. „Heute wirst du gute Erfahrungen mit der Polizei machen.“
„Woher bist du so sicher?“
„Ich weiß es.“ Er ist nicht überzeugt, deswegen lege ich nach: „Ich begleite dich. Und apropos: du solltest die Typen von letzter Nacht anzeigen.“
„Was soll das bringen? Ich werde keinen wiedererkennen können. Es war dunkel und sie hatten Kapuzen auf.“
„Siehst du, genau das sagst du der Polizei. Wie viele es waren, klein, groß, dick, dünn, alt, jung, haben sie mit Akzent gesprochen und so weiter. Wenn hier einer Akzente auseinander halten kann, dann doch wohl du! Vielleicht sind die da schon bekannt.“
Zweifelnd guckt er mich an und widmet sich weiter seinem Haferbrei.
„Es liegt nicht daran, dass du keinen gesehen hast, sondern es liegt daran, dass du der Polizei misstraust. Ja?“, rate ich ins Blaue. Er schaut nicht auf und ich weiß, dass ich richtig liege. „Wie gesagt, du wirst heute gute Erfahrungen machen. Versprochen.“
„Nichts.“
„Doch. Du willst was essen. Dein Bauch weiß das nur noch nicht. Denk mal drüber nach.“
Ungefähr zwei Minuten später bringt er seine leere Tasse rein. „Du könntest diese Pampe anrühren, die du mir gemacht hast, als ich das letzte Mal besoffen war. Die könnte helfen.“
„Hafergrütze. Mach ich. Und zu trinken?“
„Alles außer Salbeitee.“
„Na klar.“
„Was ich dich ja fragen wollte: hast du die Blümchen auf dem Tisch gebastelt?“
„Nein, Merle war gestern Abend hier. Die kann nicht ohne Deko, kennst sie doch.“
Mitten beim Essen klingelt das Telefon. „Ja?“, melde ich mich.
Ein Mann stellt sich vor: „Iedema, Polizei Alkmaar, Dienststelle Mitte. Spreche ich mit Herrn Milos Kusturica?“
„Nein, mit Jeremy van Hoorn. Aber mein Freund heißt so. Worum geht’s?“ (202)
„Kann ich ihn bitte sprechen?“
„Moment“, sage ich in den Hörer und reiche das Dings herüber.
„Wer ist dran?“, fragt Miloš leise.
„Polizei.“
Hastig deckt er den Hörer zu und flüstert: „Ich bin nicht da. Ich kann nicht reden, verstehe die Sprache nicht oder erfinde irgendwas.“
Na hoppla! Verwundert führe ich das Gespräch fort. „Sagen Sie mir bitte, worum es geht. Ich richte es aus.“
„Ein Taxifahrer hat seinen Führerschein gefunden und abgegeben.“
„Wunderbar. Wir kommen vorbei. Wo finden wir Sie?“
Der Beamte nennt die Adresse und ich schreibe mit.
Ich habe kaum aufgelegt, da: „Bist du bescheuert, dem zu versprechen, dass wir vorbei kommen?!“
„Warum regst du dich so auf?“
„Weil ich mit den Bullen nichts zu tun haben will!“
Okay, ganz von vorne. „Warum willst du mit den Bullen nichts zu tun haben?“
„Und sag denen nie wieder, wo ich wohne!“
„Aber der wusste doch schon, wo du wohnst, sonst hätte er ja nicht hier angerufen!“
Er schnaubt serbisch.
Was ist denn bei dem los? „Miloš. Warum?“
„Weil die Bullen das letzte Pack sind! Weil ich mit denen bis jetzt nur Ärger gehabt habe! Dreimal habe ich in der Zelle gehockt, ohne was getan zu haben!! Einmal haben sie mich fast zwei Tage festgehalten und ich durfte nicht mal meine Mutter anrufen!“
Oh, davon weiß ich ja gar nichts. Bei Gelegenheit muss ich mal nachfragen. „Heute wirst du gute Erfahrungen mit der Polizei machen.“
„Woher bist du so sicher?“
„Ich weiß es.“ Er ist nicht überzeugt, deswegen lege ich nach: „Ich begleite dich. Und apropos: du solltest die Typen von letzter Nacht anzeigen.“
„Was soll das bringen? Ich werde keinen wiedererkennen können. Es war dunkel und sie hatten Kapuzen auf.“
„Siehst du, genau das sagst du der Polizei. Wie viele es waren, klein, groß, dick, dünn, alt, jung, haben sie mit Akzent gesprochen und so weiter. Wenn hier einer Akzente auseinander halten kann, dann doch wohl du! Vielleicht sind die da schon bekannt.“
Zweifelnd guckt er mich an und widmet sich weiter seinem Haferbrei.
„Es liegt nicht daran, dass du keinen gesehen hast, sondern es liegt daran, dass du der Polizei misstraust. Ja?“, rate ich ins Blaue. Er schaut nicht auf und ich weiß, dass ich richtig liege. „Wie gesagt, du wirst heute gute Erfahrungen machen. Versprochen.“
385
Ich halte einen Waschlappen unter Warmwasser und wasche das Blut von seinem Rücken. Es wäre mir lieber, er würde zum Arzt gehen. „Und jetzt?“, erkundige ich mich vorsichtig.
„Verbinden.“
„Ohne Verbandsmaterial wird das schwierig.“
„Was hast du denn in der Hausapotheke?“
„Pflaster. Und Kopfschmerztabletten.“
Er steht auf und versucht sich im Spiegel von hinten zu begucken, was aber offenbar kein Ergebnis bringt, denn er fragt: „Blutet es noch?“
„Nein.“
„Dann lass es so.“ Er atmet schwer. „Das wächst wieder zu.“ Nun will er sich mit dem Waschlappen das Blut vom Gesicht wischen.
Ich sehe, wie er schwankt. Ich halte ihn an den Schultern, ziehe den Hocker mit dem Fuß ran und drücke ihn darauf. Dann nehme ich ihm den Lappen ab und säubere ihn behutsam. Anschließend helfe ich ihm in ein T-Shirt und eine Shorts und begleite ihn in sein Bett.
„Körnerkissen“, erinnert er matt.
„Gleich.“ Ich fange an mit dem Gesicht, segne das linke Auge nebst Augenbraue, die Nase, die Lippe. Dann natürlich die Wunde am Rücken, den Bauch, die verschrammten Fäuste. Das rechte Knie, das, wie ich erst jetzt bemerke, dick geschwollen ist (stimmt, er hat gehumpelt) und die Seele, die bei so einem Überfall auch immer Schaden nimmt.
Ich hole die Körnerkissen herauf und die Salbe fürs Knie und ein kleines Schälchen mit Olivenöl. Davon streiche ich ihm auf sein geschundenes Gesicht und die Hände, damit die Haut nicht spannt, wenn die Wunden trocknen oder die Schwellungen noch weiter zunehmen.(201) Danach verteile ich die Körnerkissen unter der Bettdecke und die Salbe auf dem Knie.
Obwohl er mich nicht darum gebeten hat, bleibe ich an seinem Bett sitzen, bis er eingeschlafen ist. Mir hätte das gut getan.
Irgendwann fange ich an zu beten. Danke, dass du ihn bewahrt hast. Gegen drei und ein Messer hätte es auch anders ausgehen können. … Und mach, dass er keine Angst hat, wenn er das nächste Mal im Dunkeln unterwegs ist. Mach sein Herz heil, dazu hab ich ja eben gar nichts gesagt. … Und bestimmt will er sich jetzt einen neuen Anzug kaufen. Schenk ihm so viel Geld, dass er nicht den billigsten nehmen muss. Er trägt doch so gerne so schickes Zeug. … Hatte er eigentlich beim Überfall viel Geld bei sich? Na ja, die Taschen im Anzug waren leer, also wird alles geklaut sein. … Kannst du das bitte so machen, dass die Papiere gefunden werden und sie jemand zu uns zurück bringt oder vielleicht bei der Polizei abgibt? Es dauert furchtbar lange, bis alle Sachen wieder zusammen sind, das weißt du ja auch. Erst recht der Pass. Dafür muss er bestimmt bis nach Den Haag zur Botschaft fahren.
Mein erster Weg am nächsten Morgen führt ins Nachbarzimmer. Das Bett ist leer! Kopfschüttelnd gehe ich nach unten. Gestern war er mehr tot als lebendig, und heute läuft er schon wieder um den Block?
Nicht ganz. Er sitzt auf der Terrasse, neben sich auf Mommis Gartentisch eine Tasse Kaffee, das rechte Bein auf den zweiten Stuhl hochgelegt, und genießt die Strahlen der Wintersonne. Jetzt erinnert er mich wirklich an den Boxer aus dem Film; der hatte seinen Kampf nämlich verloren.
Er macht die Augen nicht auf. „Guten Morgen. Drinnen ist Kaffee für dich.“
„So weit bin ich noch nicht, ich muss erst ins Bad. Wie geht’s dir?“
Jetzt guckt er mich doch an – soweit es das Gesicht zulässt. „Beschissen, aber viel besser als gestern Nacht.“
„Verbinden.“
„Ohne Verbandsmaterial wird das schwierig.“
„Was hast du denn in der Hausapotheke?“
„Pflaster. Und Kopfschmerztabletten.“
Er steht auf und versucht sich im Spiegel von hinten zu begucken, was aber offenbar kein Ergebnis bringt, denn er fragt: „Blutet es noch?“
„Nein.“
„Dann lass es so.“ Er atmet schwer. „Das wächst wieder zu.“ Nun will er sich mit dem Waschlappen das Blut vom Gesicht wischen.
Ich sehe, wie er schwankt. Ich halte ihn an den Schultern, ziehe den Hocker mit dem Fuß ran und drücke ihn darauf. Dann nehme ich ihm den Lappen ab und säubere ihn behutsam. Anschließend helfe ich ihm in ein T-Shirt und eine Shorts und begleite ihn in sein Bett.
„Körnerkissen“, erinnert er matt.
„Gleich.“ Ich fange an mit dem Gesicht, segne das linke Auge nebst Augenbraue, die Nase, die Lippe. Dann natürlich die Wunde am Rücken, den Bauch, die verschrammten Fäuste. Das rechte Knie, das, wie ich erst jetzt bemerke, dick geschwollen ist (stimmt, er hat gehumpelt) und die Seele, die bei so einem Überfall auch immer Schaden nimmt.
Ich hole die Körnerkissen herauf und die Salbe fürs Knie und ein kleines Schälchen mit Olivenöl. Davon streiche ich ihm auf sein geschundenes Gesicht und die Hände, damit die Haut nicht spannt, wenn die Wunden trocknen oder die Schwellungen noch weiter zunehmen.(201) Danach verteile ich die Körnerkissen unter der Bettdecke und die Salbe auf dem Knie.
Obwohl er mich nicht darum gebeten hat, bleibe ich an seinem Bett sitzen, bis er eingeschlafen ist. Mir hätte das gut getan.
Irgendwann fange ich an zu beten. Danke, dass du ihn bewahrt hast. Gegen drei und ein Messer hätte es auch anders ausgehen können. … Und mach, dass er keine Angst hat, wenn er das nächste Mal im Dunkeln unterwegs ist. Mach sein Herz heil, dazu hab ich ja eben gar nichts gesagt. … Und bestimmt will er sich jetzt einen neuen Anzug kaufen. Schenk ihm so viel Geld, dass er nicht den billigsten nehmen muss. Er trägt doch so gerne so schickes Zeug. … Hatte er eigentlich beim Überfall viel Geld bei sich? Na ja, die Taschen im Anzug waren leer, also wird alles geklaut sein. … Kannst du das bitte so machen, dass die Papiere gefunden werden und sie jemand zu uns zurück bringt oder vielleicht bei der Polizei abgibt? Es dauert furchtbar lange, bis alle Sachen wieder zusammen sind, das weißt du ja auch. Erst recht der Pass. Dafür muss er bestimmt bis nach Den Haag zur Botschaft fahren.
Mein erster Weg am nächsten Morgen führt ins Nachbarzimmer. Das Bett ist leer! Kopfschüttelnd gehe ich nach unten. Gestern war er mehr tot als lebendig, und heute läuft er schon wieder um den Block?
Nicht ganz. Er sitzt auf der Terrasse, neben sich auf Mommis Gartentisch eine Tasse Kaffee, das rechte Bein auf den zweiten Stuhl hochgelegt, und genießt die Strahlen der Wintersonne. Jetzt erinnert er mich wirklich an den Boxer aus dem Film; der hatte seinen Kampf nämlich verloren.
Er macht die Augen nicht auf. „Guten Morgen. Drinnen ist Kaffee für dich.“
„So weit bin ich noch nicht, ich muss erst ins Bad. Wie geht’s dir?“
Jetzt guckt er mich doch an – soweit es das Gesicht zulässt. „Beschissen, aber viel besser als gestern Nacht.“
Fußnoten 201 - 250
201 Das habe ich mal in einem Film über einen Boxer gesehen.
202 wie alle Niederländer, die seinen Namen lesen, macht er aus den U zwei Ü. So sind wir: u gelesen, ü gesprochen. Miloš muss seinen Namen immerzu dagegen verteidigen.
203 Außenwirkung ist nicht gleich Innenzustand, ich weiß, aber wenn einer gütig aussieht, ist er kein Arschloch. Ich sehe gute Chancen für Miloš’ heilsame Erfahrungen mit unserer Polizei
204 auch wenn das ziemlich sicher ein Zitat war
205 und die dazu auch noch Zeit mit mir verbringt. Das muss man sich mal vorstellen!
206 konditionell hätte es sicher besser geeignete Zeitpunkte gegeben
207 ganz so viel Ruhe soll dann doch nicht einkehren in meinem Leben!
208 trotz meiner flapsigen Schnelldiagnose glaube ich nicht, dass es daran liegt, dass er wegen dem dicken Knie weder joggen noch schwimmen kann.
209 korrekter geht es nicht. In der Bibel ist ja auch von Olivenöl die Rede.
210 das kann nicht alles an Shakira liegen. Ich glaube, sie ist eher eine der Begleiterscheinungen.
211 zumeist verheißt das gesamteuropäische Hausmannskost
212 der Mann ist kein Niederländer, würde ich sagen, aber Yugo ist er auch nicht. Keine Ahnung, woher er kommt.
213 der übrigens nicht nur van Wieringen und Papa heißt, sondern auch noch Frans
214 ja, ich weiß sie schon jetzt auswendig!
215 Unsere Kommunikation ist längst ein Anschreien und Nicht-ausreden-lassen geworden
216 genau wie ich es ihm gezeigt habe
217 Und das sage ich trotz der Einsamkeit, die mich hier manchmal überkommt!
218 was wird er tun, wenn ich eine entzückende Bosnierin kennen lerne, zum Beispiel im Februar? Wird er seinen Entschluss überdenken?
219 Start in Zuyderkerk, durchs IJsselmeer, die Nordsee, Nord-Ostseekanal, Polen: Danziger Bucht, Nogat, Weichsel, Bug, Weißrussland: Djnepr-Bug-Kanal, Pripjat, Ukraine: Djnepr, Schwarzes Meer, Türkei: Marmarameer, griechische Ägäis, Ionisches Meer, Italien: Tyrrhenisches Meer, Golf von Genua, Ligurisches Meer, Rhonedelta (zu Frankreich), spanische Balearen, Gibraltar, portugiesische und nordspanische Atlantikküste, französische Biscaya, Golf von St. Malo, Seinebucht, Straße von Dover, belgische Nordseeküste, Nordseekanal (IJmuiden nach Amsterdam), Markermeer, Ankunft in Zuyderkerk pünktlich zum Kaffeetrinken bei Mommi.
220 Ob es deshalb eine Wikingergrippe ist, hält sie für fraglich, was aber beweist, dass sie noch Humor hat. Humor ist wichtig, wenn man Grippe hat.
221 kann also zwischen 20 und 35 sein …
222 wie hatte Fraukeline das noch genannt? Analoger Datenträger? Diese Computerfritzen haben schon reichlich komische Wörter. „Zettel“ ist einfacher gesagt.
223 bis auf Merles Nachnamen
224 Ist nicht jede Reise eine Bildungsreise? In diesem Fall hat die Suppe die Reise getätigt.
225 das mit meinen Rückfragen ist noch nicht besser geworden. Wenn meine Mitmenschen aber auch so seltsame Sätze machen! Da darf man sich nicht wundern, dass ich mir nicht auch noch komplexe Rückfragen überlege!
226 weil sie uns ja gebeten hat, Stillschweigen zu wahren, bleibt ihr Unwohlsein eine ganz normale Krankheit
227 das heißt, ich kenne sie von unten und von oben
228 Sollte er eines Tages seine Vorurteile gegenüber den Yugos überwunden haben, könnte er bei der EU als Völkerverständiger arbeiten
229 bis dahin war mir nicht klar, wie viel Größenunterschied zwischen uns ist
230 in der Reihenfolge
231 und er sich nach meinem Empfinden immer mehr in sein Schneckenhaus verkriecht
232 Davon abgesehen, dass ich neugierig bin, respektiere ich das. Schließlich sage ich ihm ja auch nicht alles, was mich bewegt.
233 sogar der gehorcht ihm
234 das ist die Mutter von Vicky, die ja gleich zu Beginn einen Kontrollbesuch abgehalten hatte und seitdem regelmäßig hereinschaut und wissen will, was wir so tun. Manchmal bleibt sie auch zum Essen.
235 dafür muss man nicht mal den Nachbargarten in ganzer Länge durchschreiten, hinaus auf den Trampelpfad und dann durch unsere Heckenpforte und den Garten zurück zum Haus gehen. Der Zaun zwischen den beiden Grundstücken ist ausgesprochen überstiegsfreundlich mit seinen knapp fünfzig Zentimetern Höhe, da kommt sogar mein kurzbeiniger Mitbewohner drüber.
236 Erfreulicherweise kann man das landesnachbarfeindliche Theater stoppen – man muss es nur schnell genug tun. Wenn sie nämlich erst angefangen haben, Vorurteile auszutauschen, kann die Stimmung ganz schnell kippen und dann vergessen sie, dass sie sich eigentlich mögen.
237 Wäre der Mitbewohner ein bisschen weniger Intellektueller und ein bisschen mehr Handwerker, wäre ihm das sicher aufgefallen.
238 Er benimmt sich wie ein unausgeschlafenes Kind!
239 Ungefähr so einen Terz wie jetzt. Ich hasse es, über Geld zu reden.
240 holländischer Käse schön und gut, aber wir Holländer sind ja nicht allein auf der Welt
241 nachdem er sich über den zweckentfremdeten Schrubberstiel aufgeregt hat, ich könnte doch nicht einfach Gegenstände wegnehmen und sie für andere Dinge verwenden und überhaupt! Meine Güte, es war doch bloß ein Stück Holz!
242 Tamar und Debora sind die beiden Mädchen, für die er übersetzt hat.
243 ich nehme an, dass sie da hin wollen, ich weiß nicht, ob es Kaffee und Büchertisch gibt
244 demnach baut der Predigttext auf eine Stelle im Neuen Testament auf
245 zum Beispiel bei Milan und Miloš!
246 ums genau zu sagen, bin ich ziemlich sehr sauer auf ihn!
247 slowenisch kann er ein bisschen aus dem Urlaub und italienisch ist dem Kroatischen ähnlich, sagt er.
248 Muss sie ja! Schließlich hat sie weder Verhörlampe noch Bruderschaftsschwur, die sie als Brechstange verwenden könnte, um den Tresor seines Schweigens zu knacken
249 da ich ihn bei Bedarf mit Brandblasensalbe und anderen Hausmitteln versorge, bin ich im Bilde, wo er sich die meisten Verbrennungen einfängt
250 außer ich bin zu langsam und er ist schon etwas mehr als etwas abgekühlt
202 wie alle Niederländer, die seinen Namen lesen, macht er aus den U zwei Ü. So sind wir: u gelesen, ü gesprochen. Miloš muss seinen Namen immerzu dagegen verteidigen.
203 Außenwirkung ist nicht gleich Innenzustand, ich weiß, aber wenn einer gütig aussieht, ist er kein Arschloch. Ich sehe gute Chancen für Miloš’ heilsame Erfahrungen mit unserer Polizei
204 auch wenn das ziemlich sicher ein Zitat war
205 und die dazu auch noch Zeit mit mir verbringt. Das muss man sich mal vorstellen!
206 konditionell hätte es sicher besser geeignete Zeitpunkte gegeben
207 ganz so viel Ruhe soll dann doch nicht einkehren in meinem Leben!
208 trotz meiner flapsigen Schnelldiagnose glaube ich nicht, dass es daran liegt, dass er wegen dem dicken Knie weder joggen noch schwimmen kann.
209 korrekter geht es nicht. In der Bibel ist ja auch von Olivenöl die Rede.
210 das kann nicht alles an Shakira liegen. Ich glaube, sie ist eher eine der Begleiterscheinungen.
211 zumeist verheißt das gesamteuropäische Hausmannskost
212 der Mann ist kein Niederländer, würde ich sagen, aber Yugo ist er auch nicht. Keine Ahnung, woher er kommt.
213 der übrigens nicht nur van Wieringen und Papa heißt, sondern auch noch Frans
214 ja, ich weiß sie schon jetzt auswendig!
215 Unsere Kommunikation ist längst ein Anschreien und Nicht-ausreden-lassen geworden
216 genau wie ich es ihm gezeigt habe
217 Und das sage ich trotz der Einsamkeit, die mich hier manchmal überkommt!
218 was wird er tun, wenn ich eine entzückende Bosnierin kennen lerne, zum Beispiel im Februar? Wird er seinen Entschluss überdenken?
219 Start in Zuyderkerk, durchs IJsselmeer, die Nordsee, Nord-Ostseekanal, Polen: Danziger Bucht, Nogat, Weichsel, Bug, Weißrussland: Djnepr-Bug-Kanal, Pripjat, Ukraine: Djnepr, Schwarzes Meer, Türkei: Marmarameer, griechische Ägäis, Ionisches Meer, Italien: Tyrrhenisches Meer, Golf von Genua, Ligurisches Meer, Rhonedelta (zu Frankreich), spanische Balearen, Gibraltar, portugiesische und nordspanische Atlantikküste, französische Biscaya, Golf von St. Malo, Seinebucht, Straße von Dover, belgische Nordseeküste, Nordseekanal (IJmuiden nach Amsterdam), Markermeer, Ankunft in Zuyderkerk pünktlich zum Kaffeetrinken bei Mommi.
220 Ob es deshalb eine Wikingergrippe ist, hält sie für fraglich, was aber beweist, dass sie noch Humor hat. Humor ist wichtig, wenn man Grippe hat.
221 kann also zwischen 20 und 35 sein …
222 wie hatte Fraukeline das noch genannt? Analoger Datenträger? Diese Computerfritzen haben schon reichlich komische Wörter. „Zettel“ ist einfacher gesagt.
223 bis auf Merles Nachnamen
224 Ist nicht jede Reise eine Bildungsreise? In diesem Fall hat die Suppe die Reise getätigt.
225 das mit meinen Rückfragen ist noch nicht besser geworden. Wenn meine Mitmenschen aber auch so seltsame Sätze machen! Da darf man sich nicht wundern, dass ich mir nicht auch noch komplexe Rückfragen überlege!
226 weil sie uns ja gebeten hat, Stillschweigen zu wahren, bleibt ihr Unwohlsein eine ganz normale Krankheit
227 das heißt, ich kenne sie von unten und von oben
228 Sollte er eines Tages seine Vorurteile gegenüber den Yugos überwunden haben, könnte er bei der EU als Völkerverständiger arbeiten
229 bis dahin war mir nicht klar, wie viel Größenunterschied zwischen uns ist
230 in der Reihenfolge
231 und er sich nach meinem Empfinden immer mehr in sein Schneckenhaus verkriecht
232 Davon abgesehen, dass ich neugierig bin, respektiere ich das. Schließlich sage ich ihm ja auch nicht alles, was mich bewegt.
233 sogar der gehorcht ihm
234 das ist die Mutter von Vicky, die ja gleich zu Beginn einen Kontrollbesuch abgehalten hatte und seitdem regelmäßig hereinschaut und wissen will, was wir so tun. Manchmal bleibt sie auch zum Essen.
235 dafür muss man nicht mal den Nachbargarten in ganzer Länge durchschreiten, hinaus auf den Trampelpfad und dann durch unsere Heckenpforte und den Garten zurück zum Haus gehen. Der Zaun zwischen den beiden Grundstücken ist ausgesprochen überstiegsfreundlich mit seinen knapp fünfzig Zentimetern Höhe, da kommt sogar mein kurzbeiniger Mitbewohner drüber.
236 Erfreulicherweise kann man das landesnachbarfeindliche Theater stoppen – man muss es nur schnell genug tun. Wenn sie nämlich erst angefangen haben, Vorurteile auszutauschen, kann die Stimmung ganz schnell kippen und dann vergessen sie, dass sie sich eigentlich mögen.
237 Wäre der Mitbewohner ein bisschen weniger Intellektueller und ein bisschen mehr Handwerker, wäre ihm das sicher aufgefallen.
238 Er benimmt sich wie ein unausgeschlafenes Kind!
239 Ungefähr so einen Terz wie jetzt. Ich hasse es, über Geld zu reden.
240 holländischer Käse schön und gut, aber wir Holländer sind ja nicht allein auf der Welt
241 nachdem er sich über den zweckentfremdeten Schrubberstiel aufgeregt hat, ich könnte doch nicht einfach Gegenstände wegnehmen und sie für andere Dinge verwenden und überhaupt! Meine Güte, es war doch bloß ein Stück Holz!
242 Tamar und Debora sind die beiden Mädchen, für die er übersetzt hat.
243 ich nehme an, dass sie da hin wollen, ich weiß nicht, ob es Kaffee und Büchertisch gibt
244 demnach baut der Predigttext auf eine Stelle im Neuen Testament auf
245 zum Beispiel bei Milan und Miloš!
246 ums genau zu sagen, bin ich ziemlich sehr sauer auf ihn!
247 slowenisch kann er ein bisschen aus dem Urlaub und italienisch ist dem Kroatischen ähnlich, sagt er.
248 Muss sie ja! Schließlich hat sie weder Verhörlampe noch Bruderschaftsschwur, die sie als Brechstange verwenden könnte, um den Tresor seines Schweigens zu knacken
249 da ich ihn bei Bedarf mit Brandblasensalbe und anderen Hausmitteln versorge, bin ich im Bilde, wo er sich die meisten Verbrennungen einfängt
250 außer ich bin zu langsam und er ist schon etwas mehr als etwas abgekühlt
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