„Oh, die ist schon da? Dann war die Post aber schnell.“
„Wahrscheinlich, weil du Peckovar niederlandisiert hast.“
„Was hab ich es?“
„Niederlandisiert. Der niederländischen Sprache angepasst.“
„Versteh ich nicht.“
„Du hast Peckovar mit zwei A geschrieben. Ich dachte, das wäre Absicht.“
Peckovaar. Hm. Warum eigentlich nicht?
„Ah“, fällt ihr ein, „Kann die Bettdecke ölig werden oder soll ich was drunter legen?“
„Wie, drunter?“
„Zwischen die Decke und dich.“
„Ach so. Nee, ich muss das Bett eh’ noch mal frisch beziehen.“
Sie deckt meine untere Hälfte zu und krempelt die Ärmel auf. Dann gibt sie sich Öl in die Hände und träufelt mir ein zusätzliches Portiönchen zwischen die Schulterblätter. Das kitzelt. Und es riecht nach … irgendeiner Medizinblume, nicht die Kamille. Von der Form her ist sie ähnlich; der Name fällt mir nicht ein.
Erst nach einigen Minuten fängt sie an zu sprechen. „Hat er dich freiwillig fahren lassen?“
„Zuerst nicht. Ab Stuttgart schon.“
„Stuttgart ist ja noch ziemlich am Anfang.“
„Nach der Übernachtung hat er gemerkt, dass es nicht geht.“
„Er sieht zwar jetzt gesünder aus, aber nach einer Woche ohne Arbeit muss jeder erholt aussehen. Er muss zum Arzt.“
„Ja-au!“ Der akute Schmerz auf meinem Rücken raubt mir die Luft.
Sie fährt mit zwei Fingern entlang meiner Wirbelsäule, einer links, einer rechts, vom Kopf an bis knapp unter das Bündchen meiner Shorts.
„Was machst du da?“, frage ich.
„Ausatmen.“ Sie drückt mit beiden Händen gegen meinen Brustkorb. „Lass alles raus.“
Als ich gefühlt luftleer bin, macht sie eine Bewegung mit meinem linken Arm, etwas knackt und ich darf wieder einatmen.
„Sehr schön“, sagt sie. „Du arbeitest wunderbar mit.“
„Ich hab doch gar nichts gemacht?“
Sie geht um die Liege herum(326), drückt wieder, ich lasse wieder alle Luft aus. Die Bewegung ist dieses Mal eine andere, es ist der rechte Arm und es knackt auch woanders. „Siehst du“, sagt sie. „Du reagierst sofort auf mich. Das ist sehr gut.“
Im Gegensatz zu unserem bockigen Bassisten, der auf gar nichts mehr reagiert, nicht mal auf seinen um Hilfe schreienden Körper. „Was machst du da eigentlich?“, erkundige ich mich.
„Du hattest so ein Stechen beim Luftholen, oder?“
„Ja“, bestätige ich erstaunt. „Woher weißt du das?“
„Es waren zwei Wirbel verrenkt.“
Ich schweige einen Moment erschrocken. „Ich dachte, man ist dann querschnittsgelähmt.“
„Nein, dazu müssen schlimmere Dinge passieren. Die Rippen haben alle kleine Gelenkverbindungen mit der Wirbelsäule. Wenn da was klemmt, zwickt es beim Atmen. Meist geschieht das, weil man sich ungeschickt bewegt hat, hingefallen ist oder wenn die Muskeln nach längerer Fehlhaltung nicht mehr locker lassen können.“
„Aha“, mache ich, „Danke für die Anatomiestunde.“
„Bitte. Er sieht es immer noch nicht ein?“
„Nein. Ich habe ihm klar gemacht, dass wir nirgends hinfahren werden, solange er nicht wieder vollständig gesund ist. Er hat mich ja quasi zu einem Großteil der Fahrt gezwungen. Ein Glück, dass ich meinen Führerschein mitgenommen hatte! Also kein Peckovar, kein Schweden, kein segeln.“
„Glaubst du, das hilft?“
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