13. März 2016

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Um Theodorus nach ein paar Adressen fragen zu können, muss ich erst mal seine Telefonnummer bekommen und dafür bietet es sich an, vor oder nach dem Gottesdienst Mommi zu fragen. Also hoppla ausgehfertig gemacht, gefrühstückt und das Haus verlassen!

Nicht dass ich es drauf anlegen würde, aber ich schaffe es, in der Kirche nur auf Banalitäten angesprochen zu werden. Ja, ein bisschen mehr Tiefe im Miteinander wäre fein. Aber sind die Ansprüche an meine Glaubensgeschwister nicht ein bisschen hoch? Ist eine gewisse Oberflächlichkeit nicht ganz normal? Man kann doch nicht von jedem wissen, was ihn oder sie gerade bewegt? Na ja, ich muss mich bei dem Thema bedeckt halten, ich kann mir ja kaum die Namen der Leute merken, denen ich zum Teil seit Jahrzehnten jeden Sonntag begegne. Aber trotzdem! Soll ich denn bloß wegen meiner Namensschwäche auf intensive Beziehungen verzichten? Außerdem ist das auch gar nicht so gravierend, denn mir entfallen nur die Namen der Personen, mit denen ich nicht viel zu tun habe.
Als ich Mommi endlich aufgespürt habe, weicht die ärgerliche Stimmung von mir. „Ich hab heute keine Lust zu kochen, krieg ich bei dir was?“, falle ich mit der Tür ins Haus.
„Natürlich. Wo ist denn der Miloš?“
„Der ist heute eingeladen worden in eine andere Kirche in Hoorn und danach fährt er gleich zur Arbeit.“ Aber vielleicht gefällt es ihm da ja gar nicht, und er hilft mir bei der Suche? Ach nein, ich soll das ja alleine können.
„Warum bist du nicht mitgefahren?“
„Weil das eine russische Freikirche ist. Ich glaube nicht, dass da niederländisch geredet wird. Das müssen die Leute ja schon im Alltag immer tun.“
Sie mustert mich, spricht aber von anderen Dingen: „Was möchtest du denn essen?“
„Ist mir egal, Hauptsache, es gibt Wolkenpudding zum Nachtisch.“
„Das schaffen wir, Junge.“
„Übrigens brauche ich Theodorus’ Telefonnummer.“
„Gebe ich dir.“

Irgendwie kommt es, dass ich ihr beim Kochen erzähle, warum ich so unzufrieden mit der Kirche – und mir selbst – bin. Und was ich mir von Theodorus erhoffe. Und warum ich es blöd finde, dass Miloš in diese russische Freikirche geht. Und dass ich lieber schneller als er gewesen wäre mit dem Neu-Finden.
Nach dem Essen drängt Mommi mich: „Nun ruf ihn schon an.“
„Warum ist das auf einmal so eilig?“
„Vielleicht sitzt er nicht den ganzen Nachmittag zuhause herum. Mach schon!“
Er scheint am Telefon gestanden zu haben, denn er nimmt direkt ab. „Van Ooyens.“
„Hier ist Jeremy Willem van Hoorn“, sage ich. So langsam finde ich Gefallen an meinem Doppelnamen. „Hast du ein bisschen Zeit?“
„Ich wollte gerade aus dem Haus gehen. Was kann ich für dich tun?“
„Ganz kurz zusammen gefasst brauche ich ein paar Adressen von Gemeinden oder Kirchen, bei denen du mir empfehlen kannst hinzugehen. Mit meiner Kirchengemeinde bin ich aus verschiedenen Gründen seit längerer Zeit unzufrieden und will mich umgucken, ob es anderswo besser passt.“
„Du könntest in meine freikirchliche Gemeinde hier in Hoorn gehen. Der Gottesdienst fängt um fünfzehn Uhr an. Es ist das große Gebäude in der Zwaagse Straat, gleich gegenüber der Bahnhaltestelle.“
Wie immer geht mir das viel zu schnell. Aber ich ringe mich zu einem „Okay“ durch.
„Schön, Jeremy Willem. Vielleicht sehen wir uns ja.“
Ich will noch fragen, was er mit dem „vielleicht“ meint, aber da hat er schon aufgelegt.
Ach ja, fällt mir ein, er hat gesagt, dass er aus dem Haus gehen wollte, weswegen er sicher so kurz angebunden gewesen ist. Bestimmt können wir nachher ein paar Worte wechseln. Ich habe nämlich eine Frage an ihn, ungefähr schon seit Weihnachten.

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